Blast ist die am schnellsten wachsende L2 für Ethereum
Blast ist eine neue L2 für Ethereum. Sie ist noch im Early Access, hat aber bereits ein TVL von 620 Millionen Dollar erreicht – deutlich mehr als Base und fast so viel wie Solana und Avalanche. Was macht Base so anziehend? Und warum ist das Projekt dennoch fragwürdig?
Ethereum skaliert über sogenannte „L2“, Layer 2, die sich in der Mainchain verankern und Transaktionen auf einer anderen Ebene abwickeln. Darüber herrscht mittlerweile Konsens. Die gängigen L2s sind „Rollups“, etwa Arbitrum, Optimism oder Base.
Und, seit dem 21. November: Blast. Die Optimistic Rollup ging vor acht Tagen live und wächst rasant. Die in der Regel wichtigste Kennzahl von Rollups und Web3-Blockchains ist das TVL: Das „Total Value Locked“, also der Wert der Coins und Token, die in Smart Contracts eingeschlossen sind, um Liquidität in DeFi-Apps zu bringen.
Ihr müsst das nicht im Detail verstehen. Aber grundsätzlich gilt: Ethereum skaliert durch L2, und je höher das TVL einer L2, desto wichtiger ist diese.
Geht es danach, hat Blast einen sensationellen Senkrechtstart hingelegt. Innerhalb von kaum mehr als einer Woche akkumulierte das Rollup ein TVL von 620 Millionen Dollar. Das ist zwar noch deutlich weniger als die Rollups Arbitrum (2,1 Mrd.) und Optimism (780 Mio.) sowie die Sidechain Polygon (830 Mio.). Es ist aber schon fast so viel wie bei den langjährigen Blockchains Solana (675 Mio.) und Avalanche (656 Mio), und erheblich mehr als bei Base, das Rollup von Coinbase (293 Mio.). Irgendetwas macht Blast goldrichtig – aber was?
Die Erklärung gibt Blast in der Ankündigung auf Twitter: Blast ist die einzige L2, die nativ Zinsen auf Ether und Stablecoins ausschüttet.
„Es gibt verschiedene Arten von Erträgen für Assets,“ erklärt Blast. „Eine Art sind risikofreie Zinsen. Die berühmtesten risikofreien Zinsen sind in der US-Ökonomie. Die Fed kontrolliert die Inflation durch den Zinssatz und man kann daran durch T-Bills teilhaben. Wenn man diese Rate nicht schlägt, verliert man Geld an die Inflation.“
Ethereum habe nun „eine eigene Version der risikofreien Zinsen durch das ETH-Staking. Man verdient durch Staking 3-4 Prozent für seine ETH, und dies allein saugt 20 Milliarden Dollar an Liquidität auf.“ Auf anderen L2, wie eben Arbitrum und Polygon, liegt er Basiszinssatz bei 0 Prozent. Die Assets hier werten im Lauf der Zeit ab.
Das ist die These: Um erfolgreich zu sein und Liquidität anzuziehen, muss ein Rollup ebenso Zinsen auszahlen wie die Mainchain von Ethereum. Nur dann werten die ETH nicht durch die Inflation von Ethereum ab.
Also hat Blast ebenfalls diese „Yields“ eingeführt. Wer seine Ether auf das Blast-Rollup führt, staked sie automatisch und erhält die Zinsen. Dasselbe gilt für Stablecoins wie USDC, USDT und DAI: Sie werden in „onchain T-Bill protocols wie MakerDAO“ deponiert, und die Zinsen, die daraus entstehen, fließen automatisch in die Stablecoins auf Blast.
Der Erfolg gibt dem Modell recht. Nach gut einer Woche ist Blast noch im Early Access; man kann das Rollup nur mit einem Einladungscode benutzen. Dennoch gibt es schon 66.790 User, die zusammen rund 620 Millionen Dollar deponiert haben. Mit diesem rasanten Aufstieg hat es Blast bereits in die vorderste Riege der Rollups und L2 geschafft. Warum sollte man Rollups benutzen, die keinen Basiszins haben? Warum freiwillig Geld an die Inflation verlieren?
Ein Grund könnte sein, weil man den Entwicklern nicht traut. Eigentlich genießt „PacMan“, ein 24-jähriger Entwickler mit dem Klarnamen Tieshun Roquerre, ein gewisses Renommee. Er und sein Mitgründer haben Namebase gegründet, ein dezentrales Register für Domains, und danach mit Blur einen wichtigen NFT-Marktplatz.
Dennoch führt er, kaum 24 Jahre alt, einen „unregulierten Hedgefond (also Blast),“ beklagt jemand auf Twitter, „und nimmt Gelder von US-Bürgern mit pyramidensystemartigen Anreizen an.“
Uh,
Trusting this 24 y. o. guy (PacMan, real name Tieshun Roquerre) with almost $500M now in an unregulated hedge fund (aka Blast) taking funds from US people with pyramid-like incentive schemes.
You are crazy people, even after yesterday's manipulative twitter thread. Today we… pic.twitter.com/WJGyNMJcu9
— Lukas Kozak (@lukas_kozak_) November 25, 2023
Selbst bei Paradigm, dem Kapitalgeber, der Blast finanzierte, wird man skeptisch. Die Ankündigung von Blast vergangene Woche „hat eine rote Linie überschritten, sowohl in der Botschaft als auch der Ausführung“, erklärt Paradigm-Analyst Dan Robinson. Man halte nicht viel von der Entscheidung, die Brücke zu Blast zu starten, bevor das Rollup live geht, und für die nächsten drei Monate keine Auszahlungen zu erlauben. Man schätze es, wenn Gründer einen eigenen Kopf haben. Aber man bestehe auch darauf, dass sie Beispiele für ein Best Practice setzen, und nehmen Taktiken, wie Blast sie zeigt, nicht auf die leichte Schulter.
There are a lot of components of Blast that I’m excited about and would be interested in engaging with people on. That said, we at Paradigm think the announcement this week crossed lines in both messaging and execution. For example, we don’t agree with the decision to launch the…
— Dan Robinson (@danrobinson) November 26, 2023
Blast ist noch nicht live. Wenn man aber schon die Brücke benutzen kann, bedeutet das, dass man Ether oder Stablecoins an PacMan und seine Mitgründer überweist, die damit dann versuchen, die Zinsen zu bezahlen. Ein „unregulierter Hedge Fonds“ ist dafür nicht die schlechteste Bezeichnung – muss das aber nicht bleiben. Denno mittelfristig dürfte kein Weg an solchen Basiszinsen auch auf Rollups vorbeiführen.