Dr. Julian Hosps Unternehmen Cake droht Auflösung – DeFiChain (DFI) stürzt noch weiter ab
Investoren in Julian Hosps DeFiChain (DFI) mussten bereits harte Kursverluste hinnehmen. Nun droht Hosps Firma Cake die Auflösung, weil er sich (mal wieder) mit einem Mitgründer verstritten hat. Der DFI-Coin stürzt derweil noch weiter ab.
Was für eine grandiose Woche! Bitcoin, Ethereum, Solana, Cardano, Monero, Bitcoin Cash, Ripple – alles steigt hübsch und kraftvoll. Jeder, der Kryptowährungen hält, ist glücklich und ein Stückchen reicher. Alle — nur diejenigen nicht, die Julian Hosp und seiner DeFiChain vertraut haben.
Der Östereicher, der in Singapur lebt und sich stets mit Doktortitel präsentiert, ist gut darin, sich Communitys aufzubauen und für sich selbst zu werben. Er leitet große Facebook-Gruppen, tritt auf Konferenzen auf und hat bei BTC-Echo quasi ein Abo darauf, sich in wohlmeinenden Interviews selbst darzustellen. In den letzten Jahren war er vor allem das Gesicht der DeFiChain, einer Blockchain, die, auf, nun ja, DeFi spezialisiert ist, also dezentrale Finanzen.
Das native Token vder DeFiChain (DFI) sprang im Frühsommer 2022 auf mehr als 4 Euro. Dann aber verlor das wohl wichtigste Projekt der DeFiChain, der DUSD-Stablecoin, die Parität zum Dollar. Es ging ein wenig hin und ein wenig her, die Entwickler versuchten, die Wunden mit Pflastern zu überdecken, änderten den Algorithmus – doch es half nichts. Der Stablecoins DUSD, das einzige relevante Token auf der DeFiChain, war nicht mehr stabil.
Spätestens hier hätte man merken sollen, dass etwas faul ist. Der Kurs von DFI stürzte daraufhin auch ziemlich rasant ab. Vor etwa einem Jahr war DFI dann nur noch etwa 60 Cent wert. Wer aber dachte, damit wäre der Einbruch vorbei, lernte durch Schmerzen die alte Weisheit, dass ein schlechtes Investment auch nach einem Einsturz um 90 Prozent nochmal 90 Prozent verlieren kann. Und noch mal. Heute steht DFI bei gut 17 Cent, und wie es aussieht, müssen die Investoren weiter bluten.

Der Kursverlauf von DFI nach coinmarketcap.com
Für Julian Hosp war diese selbst für den Bärenmarkt unterdurchschnittliche Performance kein Grund, sich nicht selbst auf die Schulter zu klopfen und es in Kauf zu nehmen, Leute damit in den monetären Suizit zu führen. Auf Twitter – und vermutlich auch überall anders – verbreitete er ein triumphales Post, als DFI mal eine Zeit lang besser abschnitt als Bitcoin. Als der Blocktrainer Roman Reher ihn in einem Video einen Scammer nannte, klagte Hosp auf Rufmord – woraufhin der seine Videos editierte – und als die BaFin eine Untersuchung gegen Hosps Unternehmen Cake einleitete, nannte er Cake einfach Bake und verkündete großspurig, sich mit der BaFin geeinigt zu haben. Man hätte hier oder da mal misstrauisch werden können.

Je armseliger DFI abschnitt, je mehr alles stieg und DFI fiel, je irrelevanter DeFiChain im DeFi-Raum wurde, desto mehr biss und trat Dr. Julian Hosp gegen Bitcoin und Bitcoin-Maximalisten. Noch im September prahlte er damit, bei einem “der größten deutschen TV-Sender” erklärt zu haben, warum er den derzeitigen Bitcoin-Maximalisms skeptisch sieht und lieber Ethereum und – logisch: DeFiChain, unterstützt. Hoffentlich haben die Zuschauer das nicht zu ernst genommen. Auf Twitter beschallte er derweil seine 100.000 Follower fast täglich mit guten Nachrichten zu DeFiChain. Noch am 14. November tweetete er, die Zukunft von DeFiChain sei “glorreich.”
Man muss das Adjektiv schon “glorreich” relativ weit dehnen, um es auf DeFiChain anzuwenden. Nicht nur, dass der Kurs gegen Bitcoin seit September ununterbrochen dahinschmilzt – was Doktor Hosp natürlich nicht auf Twitter teilt -: Anfang Dezember begannn auch noch Hosps Unternehmen Cake, eine zentrale Säule im DFI-Ökosystem, zu wackeln. Schon im November hat Cake (bzw. Bake) 30 Prozent seiner Mitarbeiter entlassen, während es offenbar zum Zwist zwischen Hosp und seinem Mitgründer U-Zyn Chua kam. Anfang Dezember hat Chua dann die ordentliche Auflösung der in Singapur ansässigen Firma beantragt (“winding up”). Laut Tech in Asia war Chua gegen die Entlassungen, die Hosp unilateral durchgeboxt hatte.
Hosp, der mit Chuas Manöver, das Unternehmen aufzulösen, nicht einverstanden ist, versichert aufgekratzt in einem Video, dass Cake liquide sei. Die Auflösung habe nichts damit zu tun, dass man zahlungsunfähig sei. Der Betrieb bleibe unbeeinträchtigt, man werde weiter operieren und Produkte und Dienstleistungen liefern. Seinem Mitgründer U-Zyn Chua macht er schwere Vorwürfe: Anstatt den Streit konstruktiv zu klären, löse er das Unternehmen. Es sei egoistisch, “dass er seine eigenen Interessen über die unserer Kunden, Mitarbeiter und Partner stellt.” Er genieße den Rückhalt des “gesamten Teams” und werde Chuas Entscheidung gerichtlich anfechten. Der erklärt hingegen auf Twitter, es gebe “Meinungsverschiedenheiten zwischen uns über die Führung des Unternehmens, die intern nicht konstruktiv zu lösen waren.” Da dies aber nun vor Gericht ausgetragen wird, kann Chua derzeit nicht mehr dazu sagen.
Wir wissen also nicht sehr viel, aber immerhin das: Julian Hosp und sein Mitgründer U-Zyn Chua liegen über Kreuz, Cake hat vermutlich Probleme, und DeFiChain (DFI) ist eines der schlechtesten Investments, das man in dieser Marktphase halten kann.
Wer ein bißchen die Augen offen hält, ist darüber nicht besonders überrascht. Die Projekte von Julian Hosp vergolden zwar vermutlich das Bankkonto von diesem selbst, sind aber für Investoren meistens ein teurer Griff ins Klo. Das war schon mit Ten-X so. Hosp, der seine ersten Erfahrungen als Finanz-Influencer mit einem MLM-System machte, und sich gerne damit rühmt, ein Arzt und Profi-Surfer zu sein – obwohl er maximal für eine kurze Zeit als Arzt praktiziert hat – hatte sich pünktlich zum ICO-Hype 2018 zum Aushängeschild von Ten-X gemacht, einer Wallet, die vor allem durch eine angebundene Debit-Karte punkten wollte. Das Geschäftsmodell bzw. die Wertbasis der Token war von Anfang an mäßig sinnvoll, lief aber niemals wirklich an, weil die Karte ebenso punktuell ausgeliefert wurde wie der Stablecoin DUSD die Parität zum Dollar hielt. Am Ende hat sich Julian Hosp mit den anderen Ten-X-Gründern überworfen und das Projekt verlassen, bevor es unterging.
Ihr erkennt die Parallelen? Es gibt viele Regeln für Krypto-Investments. Eine davon ist, dass man die Finger von allem lassen sollte, wo Spuren von Dr. Hosp drinstecken. Wer diese Regel missachtet hat, wird am aktuellen Bullen-Markt leider etwas weniger Spaß haben.