EU möchte noch in diesem Jahr Standards für Krypto-Nachhaltigkeitsberichte
Die EU-Kommission sorgt mit ihren Regulierungsplänen einmal mehr für Aufregung: Künftig sollen Krypto-Dienstleister durch Berichte darüber aufklären, wie nachhaltig Kryptowährungen sind. Die Entscheidung über technische Standards wird noch in diesem Jahr erwartet; die Bitcoin-Community reagiert alarmiert und fürchtet schon ein Verbot.
Was für ein Aufreger mal wieder!
„Während wir schliefen“, schreibt Daniel Batten auf Twitter, „hat die EU-Kommission (über die ESMA und die EZB) einen Bericht veröffentlicht, nach dem sie plant, Bitcoin als
– umweltschädlich,
– eine Bedrohung der Energiesicherheit in der EU,
– eine Zuflucht für Finanzkriminalität
zu labeln.“
Und das noch nicht genug! Denn dies, so Batten weiter, ebne den Weg, um 2025 ein „de facto Verbot von Bitcoin und Bitcoin-Mining zu erlassen.“
Batten bleibt dabei schwammig. Die EU plane – möglicherweise – zusätzlich zu diesem Label weitere mögliche Maßnahmen, etwa eine CO2-Steuern auf Mining – und womöglich Investments -, sowie Einschränkungen für Investments, bevor dann 2025 ein Plan zur Digitalisierung des europäischen Energienetzes ausgerollt werde, in dessen Zuge die Einzelstaaten von Minern möglicherweise verlangen könnten, den Betrieb zu unterbrechen, wenn Strom knapp werde.
Der Urheber dieses Raunens, Daniel Batten, ist dabei alles andere als neutral. Er arbeitet eher als Lobbyist der US-Miner, denen er mit sehr positiven Analysen hilft, sich als umweltfreundlich darzustellen. In seiner Perspektive ist Bitcoin nicht nur nicht umweltschädlich – sondern sogar hochgradig umwelt- und klimafreundlich.
Die Infos über die Pläne der EU hat er von Lyudmyla Kozlovska und Bota Jardemalie. Die beiden sind von der Open Dialogue Foundation (ODF), welche die BTC-Coalition führt, die in der EU für Bitcoin und Kryptowährungen lobbyiert. Lyudmyla und Bota haben sich durch die Dokumente der EU-Kommission gelesen und berichten in einem Podcast davon.
„Eine Tonne an Missinformationen.“
Dass die EU Bitcoin-Mining sehr skeptisch sieht, ist bekannt. Ebenso, dass es Parteien im EU-Parlament gibt, die Mining – und Bitcoin – verbieten möchten.
Dennoch schießt Batten weit übers Ziel hinaus, kritisiert ein anderer Krypto-Lobbyist: Patrick Hansen, der für den Stablecoin USDC in Brüssel arbeitet. Er erkundigt sich, welche konkreten Berichte Batten meint, und bittet ihn, auf Dokumente oder Quellen hinzuweisen. Batten lässt diese Aufforderung unbeantwortet.
„Alles, was ich derzeit sehe,“ schreibt Hansen, „ist eine Tonne an Missinformationen zum Thema, und du lieferst nicht einen einzigen Beweis.“ Die ESMA (European Securities and Markets Authoriy, quasi die EU-weite Finanzaufsicht) habe lediglich „technische Standards für Nachhaltigkeitsberichte zu Krypto-Assets entwickelt, die Dienstleister auf ihren Webseiten veröffentlichen müssen.“
Dies sei, so Hansen weiter, keine neue Initiative, sondern „die Alternative, die ein vollständiges Verbot von Bitcoin im Frühjahr 2022 während der Verhandlungen zu MiCA verhindert hat.“ Die EU-Parlamentarer haben auf das von ihnen geforderte Verbot verzichtet, aber im Gegenzug Standards für Nachhaltigkeitsberichte verlangt. Dies sei, so Hansen, „ein typischer politischer Kompromiss in der EU-Gesetzgebung.“
Danach verweist Patrick Hansen auf ein Dokument, in dem die ESMA die technischen Standards für Nachhaltigkeitsmetriken von Kryptowährungen erklärt.
Wie man die Nachhaltigkeit einer Kryptowährung misst
In diesem Bericht zitiert die ESMA wiederholt die MiCA-Verordnung, die ihr das Mandat gegeben hat, technische Standards für Metriken auszuarbeiten, um die Nachhaltigkeit von Kryptowährungen zu messen. Damit besteht dieser Plan schon seit einigen Jahren.
Die finale Version soll bis spätestens zum 30. Juni dieses Jahres der EU-Kommission vorgelegt werden. Eine Pflicht für Dienstleister, die Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen, soll aber wohl erst Ende 2027 in Kraft treten. Ein mögliches Verbot – oder die Verabschiedung weiterer Pläne — ab 2025 ist angesichts dieses Zeitplans kaum plausibel.
Derzeit scheint die ESMA noch am Grobkonzept zu arbeiten. In die Nachhaltigkeitsberichte sollen etwa die Konsens-Mechanismen einfließen; als Metrik für die Nachhaltigkeit schlägt die ESMA vor, den Stromverbrauch der einzelnen Knoten zu schätzen und dann zu ermitteln, wo die Knoten lokalisiert sind, um die CO2-Belastung durch den Energieverbrauch zu ermitteln.
Ohne Zweifel verweist all dies auf Bitcoin. Kryptowährungen ohne Proof of Work – also ohne Miner, etwa Ethereum – sowie kleine Proof-of-Work-Coins, etwa Monero, dürften wenig zu befürchten haben. Dies wird allerdings auch davon abhängen, ob sich die Metriken der ESMA an der Marktkapitalisierung orientieren – also CO2-Ausstoß je Dollar – oder an Transaktionen – also CO2 je Transaktion.
„Aufmerksamkeitsheischender Alarmismus.“
Wie Batten schreibt, kann eine solche Berichtpflicht der Beginn weiterer Schikanen sein. Auf ihrer Basis könnte man es nachhaltigen, also ESG-konformen Investmentfonds verbieten, Bitcoin ins Portfolio aufzunehmen, und man könnte auch eine CO2-Steuer auf Mining oder gar Bitcoin-Investments selbst erheben.
Konkrete Pläne dafür existieren aber, soweit man weiß, derzeit noch nicht, sondern sind eher überzogene Schlussfolgerungen aus den geplanten Nachhaltigkeitsberichten.
„Man kann und sollte die technischen Details kritisieren, wie die ESMA vorschlägt, wie die Nachhaltigkeit von Krypto-Assets kalkuliert und enthüllt wird. Aber nichts darin ist auch nur im Ansatz neu oder hat etwas mit einem Verbot zu tun,“ schlussfolgert Hansen.
Zwar könnten, legt er nach, „Diskussionen über ein Verbot von Proof of Work in Zukunft wieder auftreten“. Derzeit aber seien sie „aufmerksamkeitsheischender Alarmismus ohne Beweis.“ Es wäre produktiver „wenn die Leute sich darauf konzentrieren würden, tatsächlich nützliches Feedback abzugeben.“